Die 10 schönsten Orte in BiH — 3 kennt kaum jemand

Von Mostar bis Lukomir: meine persönliche Liste nach 30+ Jahren in BiH

Autor: Tea Jurić

Warum diese Liste anders ist — und warum du ihr vertrauen kannst

Ich lebe in Mostar. Ich bin 1990 zum ersten Mal durch die Herzegowina gefahren, als Kind auf dem Rücksitz meines Vaters. Seitdem habe ich jede Ecke dieses Landes bereist — nicht als Touristin, sondern als Anthropologin, die mit 35 Familienpensionen zusammenarbeitet und deren Besitzer persönlich kennt. Wenn ich dir sage, dass ein Ort schön ist, meine ich nicht das Foto auf Instagram. Ich meine das Gefühl, wenn du morgens um sechs die Tür aufmachst und der Nebel noch in den Tälern liegt.

Diese Liste ist meine persönliche Auswahl. Keine Rankings, keine Sponsored Posts. Nur Orte, die ich selbst immer wieder aufsuche — und drei, bei denen ich jedes Mal hoffe, dass noch nicht zu viele Leute davon wissen.

1. Stari Most, Mostar — das Offensichtliche zuerst

Ja, die Alte Brücke. Ich weiß. Aber ich wäre unehrlich, wenn ich sie weglassen würde. Der Stari Most ist eine 1566 von Hayruddin erbaute osmanische Bogenbrücke aus Tenelija-Kalkstein — und sie ist tatsächlich so schön, wie alle sagen. Was die meisten Fotos nicht zeigen: das Licht um 8:00 Uhr morgens, wenn noch keine Touristen da sind und das Wasser der Neretva smaragdgrün glänzt.

Mein Tipp: Übernachte mindestens eine Nacht in Mostar. Wer nur zum Mittagessen kommt und wieder fährt, verpasst das Wesentliche. Das Muslibegović-Haus (ein authentisches osmanisches Stadthaus, das man auch als Unterkunft buchen kann) liegt keine 200 Meter von der Brücke entfernt — und ist eine der schönsten Übernachtungsmöglichkeiten in ganz BiH.

2. Baščaršija, Sarajevo — mehr als ein Bazar

Sarajevo überrascht dich am Sonntagmorgen, wenn die Baščaršija noch schläft und du allein am Sebilj-Brunnen stehst. Die osmanische Altstadt ist kein Museum — sie ist lebendig. Kupferschmiede, die seit Generationen am selben Platz arbeiten. Teehäuser, in denen die Zeit stehen bleibt.

Was ich dir empfehle: Geh nicht direkt zum Restaurant. Setz dich in ein kleines Café, bestell einen bosnischen Kaffee (bosanska kafa) — und lass ihn langsam werden. Den Würfelzucker nimmst du in den Mund, dann trinkst du den Kaffee. Nicht reinwerfen. Das ist kein Detail, das ist Kultur.

3. Blagaj — das Sufi-Kloster am Quellfluss

Zwölf Kilometer südlich von Mostar liegt Blagaj, und ich fahre dorthin, wann immer ich Gäste aus Deutschland zu Besuch habe. Die Tekija — ein Mevlevi-Derwischkloster aus dem 17. Jahrhundert — klebt buchstäblich an einer Felswand direkt über der Buna-Quelle, einem der größten Karstquellsysteme Europas. Das Wasser kommt mit 43 Kubikmetern pro Sekunde aus dem Fels. Es ist kalt, klar, und riecht nach nichts außer Stein und Wasser.

Eintritt zur Tekija: 5 KM. Dafür bekommst du einen der surrealistischsten Anblicke BiHs. Iss danach in einem der Restaurants direkt am Fluss — die Forelle kommt aus dem Wasser, das du gerade noch fotografiert hast.

4. Nationalpark Sutjeska — Urwald, der das Wort verdient

Der Perućica-Urwald im Nationalpark Sutjeska ist einer der letzten Primärwälder Europas. Rotbuchen und Fichten, die 50 Meter in den Himmel wachsen. Bäume, die seit dem Mittelalter niemand gefällt hat. Der Nationalpark ist der älteste BiHs — gegründet 1962 — und beherbergt Braunbären, Wölfe und Luchse.

Wichtig: Den Urwald darfst du nur mit Guide betreten, und es sind maximal 16 Personen pro Tag zugelassen. Buchung direkt über den Nationalpark. Der Skakavac-Wasserfall (75 m) ist auch ohne Urwald-Permit erreichbar und lohnt die Wanderung. Der höchste Berg BiHs, der Maglić (2.386 m), liegt ebenfalls hier — eine anspruchsvolle, aber technisch machbare Besteigung (UIAA II–III auf einzelnen Passagen).

„Ich war 2023 zum dritten Mal im Sutjeska, diesmal mit einer Gruppe von Fotografen aus Wien. Keiner von ihnen hatte erwartet, dass BiH so etwas hat. Einer sagte: ‚Das ist wie Kanada, nur drei Flugstunden näher.' Er hat recht."

5. Kravica-Wasserfälle — schwimmbar und wunderschön

Der Wasserfall-Komplex bei Kravica ist 25 Meter hoch, 120 Meter breit, und man darf darin schwimmen. Das türkis-grüne Wasser im natürlichen Becken darunter ist im Mai noch kalt, im Juli perfekt. Eintritt in der Hochsaison: ca. 10 Euro.

Ehrlicher Hinweis: Im August ist Kravica voll. Wirklich voll. Wenn du Ruhe willst, komm im Mai oder September — dann hast du die Wasserfälle fast für dich, das Wasser führt mehr, und die Farben sind intensiver. Im Sommer: Ankunft vor 9:00 Uhr oder nach 17:00 Uhr.

6. Jajce — der Wasserfall mitten in der Stadt

Jajce ist eines dieser Städtchen, die man zu schnell durchfährt. Dabei hat es einen 22 Meter hohen Wasserfall direkt im Stadtzentrum — den Pliva-Wasserfall — und am Pliva-See dahinter stehen die berühmten Mlinčići: kleine Holzwassermühlen, die seit Jahrhunderten am Seeufer stehen und heute noch genutzt werden. Ich kenne kein zweites Bild in BiH, das so still und so vollständig ist wie dieses.

Dazu: die Festung über der Stadt, die Katakomben und ein kleines Tito-Museum, das weniger Propaganda ist als man erwarten würde. Jajce ist für einen Halbtagsausflug zu schade — plane eine Nacht ein.

7. Lukomir — das höchste Dorf BiHs (und einer meiner liebsten Orte auf der Erde)

Lukomir liegt auf 1.469 Metern auf dem Bjelašnica-Plateau, 30 Kilometer südlich von Sarajevo. Es ist das am höchsten gelegene und ganzjährig bewohnte Dorf BiHs — und im Winter ist es von November bis April von der Außenwelt abgeschnitten. Die Häuser sind aus Stein, die Frauen tragen noch handgewebte Wollkleider, und die Stille dort oben ist die Art von Stille, die man körperlich spürt.

Ich bringe seit Jahren Reisende nach Lukomir. Nicht für den Tag — für die Nacht. Die Sterne über dem Bjelašnica-Plateau sind unfassbar. Es gibt zwei, drei kleine Pensionen, die Gäste aufnehmen. Das Essen kommt aus dem Garten oder vom Schaf. Kein WLAN. Kein Lärm. Nur das Klingeln der Herdenglocken.

Wer nur die Tagestour macht (ab Sarajevo ca. 75 € mit Guide), verpasst das Beste. Bleib über Nacht. Es verändert etwas.

Die drei Orte, die kaum jemand kennt

8. Počitelj — die vergessene Festungsstadt

Počitelj liegt 30 Kilometer südlich von Mostar, direkt an der Neretva. Es ist eine osmanische Festungsstadt aus dem 15. Jahrhundert — Türme, Moschee, Hamam, Wohnhäuser aus Kalkstein, alles auf einem steilen Felsrücken über dem Fluss. Počitelj stand auf der UNESCO-Tentativliste, wurde im Krieg 1993 schwer beschädigt und ist seitdem teilweise restauriert.

Die meisten Besucher fahren daran vorbei, weil Kravica näher ist und Mostar bekannter. Das ist ihr Verlust. Ich war im Herbst 2024 wieder dort, an einem Dienstagvormittag, und hatte die gesamte Anlage für mich. Kein einziger anderer Besucher. Die Granatspuren an den Mauern sind noch sichtbar — und das gehört dazu. Eintritt frei, Parkplatz direkt an der Hauptstraße.

9. Blidinje — das Hochplateau, das niemand sucht

Das Blidinje-Naturschutzgebiet liegt auf über 1.200 Metern in der westlichen Herzegowina, zwischen den Bergen Čvrsnica (2.228 m) und Vran (2.074 m). Es gibt dort einen kleinen See, ein kleines Skigebiet, und im Sommer: fast niemanden. Die Hochebene ist Karstlandschaft — kahl, weit, von einer Schönheit, die nichts mit Postkarten zu tun hat.

Ich war im Juni 2024 mit einer kleinen Gruppe dort. Wir haben zwei Nächte in einer Pension nahe dem Dorf Risovac verbracht. Morgens Nebel, mittags Sonne, abends Sterne. Die Čvrsnica-Nordwand ist für erfahrene Bergsteiger eine der schönsten Kletterrouten BiHs. Für alle anderen: einfach gehen, schauen, atmen.

10. Stolac — das älteste Stadtbild der Herzegowina

Stolac, 55 Kilometer östlich von Mostar, ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte des westlichen Balkans — die archäologischen Funde reichen bis ins Neolithikum zurück. Die osmanische Altstadt mit dem Fluss Bregava, der durch die Stadt fließt, ist von einer stillen Schönheit, die mich jedes Mal neu trifft.

In der Nähe: die Bogomilen-Stećci auf dem Radimlja-Friedhof — mittelalterliche Grabsteine mit rätselhaften Reliefs, seit 2016 UNESCO-Weltkulturerbe. Und das ist noch nicht alles: Die Umgebung von Stolac gehört zu den besten Olivenöl-Regionen der Herzegowina. Ich kenne dort einen Bauern, Ivo, der sein Öl noch kalt presst und in Tonkrügen lagert. Sein Öl schmeckt nach Gras und Mandeln und Stein.

Stolac hat kein großes Hotel. Es hat eine Handvoll kleiner Pensionen und ein paar Familien, die Zimmer vermieten. Genau richtig.

Praktische Infos auf einen Blick

Ort Entfernung von Mostar Beste Reisezeit Übernachtung empfohlen? Eintritt ca.
Stari Most, Mostar Mai, Sept–Okt Ja, mind. 1 Nacht frei
Baščaršija, Sarajevo 130 km ganzjährig Ja, mind. 2 Nächte frei
Blagaj / Tekija 12 km April–Oktober Nein (Tagesausflug) 5 KM
Nationalpark Sutjeska 130 km Juni–September Ja, mind. 2 Nächte NP-Eintritt + Guide
Kravica-Wasserfälle 40 km Mai, Sept Nein (Tagesausflug) ca. 10 €
Jajce 180 km ganzjährig Ja, 1 Nacht frei / Festung 3 KM
Lukomir 110 km Juni–Oktober Unbedingt! frei
Počitelj 30 km April–November Nein (Tagesausflug) frei
Blidinje 80 km Juni–September Ja, 1–2 Nächte frei
Stolac 55 km April–Oktober Ja, 1 Nacht frei / Radimlja frei

Währung: Konvertibilna Marka (KM/BAM), 1 € = 1,95583 KM (fest gekoppelt). Auf dem Land lieber Bargeld mitnehmen. Sicherheitshinweis: In ländlichen Regionen — besonders rund um Sutjeska und Romanija — niemals abseits markierter Wege gehen. Minenverseuchte Gebiete sind noch vorhanden. Konsultiere die BHMAC-Karten vor Wanderungen in unbekanntem Gelände.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welcher Ort in Bosnien ist am schönsten?

Das hängt davon ab, was du suchst. Für Architektur und Geschichte: Mostar und Sarajevo. Für Natur und Stille: Nationalpark Sutjeska oder Lukomir. Für einen Ort, der dich überrascht und den kaum jemand kennt: Stolac in der östlichen Herzegowina.

Welche Orte in BiH sind wirklich noch unbekannt?

Počitelj, Blidinje und Stolac sind meine drei Empfehlungen. Alle drei sind leicht erreichbar, haben echte Substanz — und du wirst dort selten andere Touristen treffen. Das kann sich ändern, also: lieber bald fahren.

Wie viele Tage brauche ich für eine BiH-Reise?

Für Sarajevo + Mostar + Umgebung reichen 5–7 Tage. Wenn du auch Sutjeska, Jajce und Lukomir sehen willst, plane mindestens 10–14 Tage ein. Slow Travel lohnt sich hier mehr als in den meisten anderen Ländern.

Ist Bosnien sicher für Reisende?

Ja. Die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig. Der einzige ernsthafte Sicherheitsaspekt sind Minen in ländlichen, abgelegenen Gebieten — bleib auf markierten Wegen, und du bist vollkommen sicher. Mehr Infos: BHMAC (Bosnian Mine Action Centre).

Brauche ich für BiH einen Reisepass?

Nein. Als EU-Bürger (D/A/CH) reicht der Personalausweis. Kein Visum nötig für Aufenthalte bis 90 Tage.

Wann ist die beste Reisezeit für Bosnien?

Mai bis Juni und September bis Oktober sind ideal: angenehme Temperaturen, weniger Touristen, Wasserfälle auf Höchststand im Frühling. Juli und August sind heiß (30–35°C in der Herzegowina) und voller in den Hotspots. Der Winter lohnt sich für Skifahren und die Stimmung in Sarajevo bei Schnee.

Mein Fazit nach 30+ Jahren in BiH

Ich werde oft gefragt, welchen einen Ort ich empfehlen würde. Ich kann diese Frage nicht ehrlich beantworten, weil BiH kein Ein-Ort-Land ist. Es ist ein Land, das sich in Schichten öffnet — je länger du bleibst, desto mehr zeigt es dir. Der Stari Most ist schön. Aber Stolac an einem Dienstagmorgen, wenn der Bregava-Fluss durch die leere Altstadt fließt und ein alter Mann auf einer Steintreppe Kaffee trinkt — das ist das BiH, das ich liebe.

Nimm dir Zeit. Fahr langsam. Und wenn dich jemand zum Kaffee einlädt: Sag niemals nein.

💶 1 EUR ≈ 1,96 BAM
🗣️ Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
MEZ/MESZ (wie Deutschland)
🛂 Kein Visum für EU-Bürger (bis 90 Tage)
🆘 122 Polizei · 123 Feuerwehr · 124 Rettung
Eintrag beanspruchen
Bist du der Inhaber dieses Eintrags? Sende uns deine Daten — wir verifizieren und schalten dir kostenlosen Marketing-Zugang frei.
📍 POI
📎 Datei auswählen oder hier ablegen JPG, PNG, PDF · max. 5 MB
Mit dem Absenden stimmst du unserer Datenschutzerklärung zu.
Wir prüfen deine Anfrage in der Regel innerhalb von 1–2 Werktagen.